stimmfeld-verein
Verein zur Förderung von Stimmkunst, Performancekunst und Konzeptkunst
 
Samstag, 3. März 2012
(siehe Termine)

Residenz
   Residenzkünstler und Freunde
   der Orangerie

  ÜBER: Zorn.




ÜBER: Zorn.

Wut im Bauch, aber Zornesröte im Gesicht – eigentlich ist damit schon alles gesagt. Wo die Wut ein Impuls, ein Affekt ist, und meist ungerichtet aus uns heraus peitscht, liegt dem Zorn eine tiefere, archaische Dimension zugrunde, die viel mit der menschlichen Fähigkeit zur Abstraktion und Erinnerung zu tun hat und sich meist an unser Gerechtigkeitsempfinden koppelt. Darum wohnt dem Zorn auch eine enorme Triebkraft inne, richtig eingesetzt kann er uns dazu motivieren, die Welt zu einer besseren zu machen. Oft aber blockiert er auch nur unsere Sicht – nicht zuletzt deshalb wird er wohl im Christentum mit Sünde und Laster gleichgesetzt. Vielleicht halten wir es doch einfach mit Mark Twain, der den schönen Ausspruch prägte: ”Bist du zornig, so zähle bis vier; bist du sehr zornig, so fluche!“

Im sechsten Teil der Reihe ”ÜBER“ zeigen die Residenzkünstler der Orangerie erneut ihren ganz persönlichen theatralen Zugriff auf knappe Worte mit viel Potential. Dabei geben sie sich gemeinschaftlich ein Thema, eine Bühnenform, eine Aufgabe und einen knappen Zeitrahmen. In zumeist nur einer Woche wird geprobt, was Körper und Geist hergeben, am Ende wird einmalig an einem Abend das Ergebnis präsentiert. ”ÜBER“ ist somit ein seltener Frei-Raum für wahrhaftiges Probieren, für Kontemplation (Augenzwinkern meist inbegriffen), Entwicklung, Neugier, Lust und Diskurs. Im Anschluss an den Abend letzteres auch gerne mit den Forschern selbst, die sich über angeregte Gespräche mit ihren Zuschauern bei einem Glas an der Theke der Orangerie freuen.

Donnerstag, 15. März 2012    Premiere
(siehe Termine)

Blömer/Tillack

Frau Schneider, ich wäre dann da!

Frau Schneider

”Und, war da was?“ ”Nichts....gar nichts!“ ”Das ist doch gut.“ ”Ich finde das beunruhigend.“ ”Was?“ ”Daß da nichts ist.“

Man hatte es sich so schön eingerichtet... Die besten Jahre stehen an. Aber Verunsicherung macht sich breit. Irgendwas ist anders. Schleichend. Plötzlich. Man kann sich nicht mehr sicher sein. Dabei hat man doch alles im Griff gehabt. Fast alles. Außer vielleicht seine Frau, die Arbeit, sich selbst, wer weiß, was noch.
Dann ist da noch die Treppe. Keiner will den ersten Schritt machen. Doch Stillstand ist tödlich. Bewegung vielleicht auch. Und Frau Schneider weiß mehr als sie zugibt.

Bernd Blömer und Dirk Tillack präsentieren ein absurdes Stück zwischen Schauspiel und Bewegungstheater.

Regie: Katrin Piplies
Spiel: Bernd Blömer, Dirk Tillack

Weitere Termine:
Freitag, 16. März 2012
Samstag, 17. März 2012
Donnerstag, 3. Mai 2012
Orangerie – Theater im Volksgarten
 
Ankündigung Festival:

open_voice/2

Roy Hart: Extended Voice heute
(Für mehr Informationen bitte hier klicken.)

26. April - 1. Mai 2012

Orangerie – Theater im Volksgarten
Volksgartenstrasse 25, 50677 Köln

open_voice/2

”Dear Mr. Hart,
After having listened to your tape I wish to write to you immediately. Your technique makes possible what a few experimental composers have been looking for since several years. BRAVO!! (...) Please write me if you are interested in realising a version of SPIRAL for Solo singer.
         My sincere admiration
                     Yours Stockhausen.“

Karl Heinz Stockhausen schrieb diesen Brief an Roy Hart im Oktober 1968 und im darauf folgenden Jahr traten die beiden gemeinsam bei den Darmstädter Ferienkursen auf, mit Ausschnitten ”AUS DEN SIEBEN TAGEN“. Auch SPIRAL wurde von Roy Hart aufgeführt.
In dem oben zitierten Brief drückt Stockhausen eine Reaktion aus, die in ähnlicher Weise auch andere Komponisten zeigten, nachdem sie Roy Hart gehört hatten. Mit seiner Stimme, die alles übertraf, was bis dahin auf der Bühne zu hören gewesen war, erregte er das Interesse u.a. von Hans Werner Henze, der für ihn das Stück ”Versuch über Schweine“ schrieb.
Der österreichische Komponist Meinhard Rüdenauer komponierte für Roy Hart die ”Beschreibung einer inneren Erfahrung“ für Streicher und Stimme. Der englische Komponist Peter Maxwell Davies schrieb mit und für Roy Hart die Oper ”Eight songs for a Mad King“, einer der Meilensteine für den Einsatz der Extended Voice in der Neuen Musik.
Mit Paul Pörtner erarbeitete Roy Hart im WDR eine Radioversion von ”Es gibt kein Firmament mehr“, einem Libretto, das ursprünglich Antonin Artaud für Edgar Varèse verfasst hatte. Pörtner schrieb außerdem ein Stück für das Roy Hart Theatre mit dem Titel ”Ich bin“.
Übrigens hatte Dieter Schnebel schon 1955 erkannt, welche Möglichkeiten sich mit Stimmen wie der von Roy Hart für die neue Musik ergeben, als er sein ”...missa est“ für ”Wolfsohnsche Stimmen“ schrieb, benannt nach dem Lehrer von Hart, Alfred Wolfsohn, über den er zufällig im Radio eine Sendung gehört hatte!
Roy Hart war einer der großen Pioniere der Extended Voice Bewegung, die in den 1960er Jahren Einzug in die Neue Musik nahm.
Die Verbindung zwischen Roy Hart und insbesondere der deutschsprachigen Musik-szene der Zeit erfuhr mit dem Tod von Hart 1975 ein jähes Ende. Zwar kamen in den vergangenen 35 Jahren etliche Mitglieder des Roy Hart Theatres regelmäßig als Stimmlehrer nach Deutschland, aber ein künstlerischer Austausch fand lange kaum noch statt. Das änderte sich mit der neuen Generation von Roy Hart Lehrern und Stimmkünstlern, die sich auf Roy Hart berufen. Mittlerweile gibt es in Deutschland eine ganze Reihe von Künstlern, die mit der Extended Voice arbeiten und nach ihren künstlerischen Sprachen und Möglichkeiten suchen, die ”ganze“ Stimme auf die Bühne zu bringen.

Unser Festival ”open_voice/2 – Roy Hart: Extended Voice heute“, das vom 26. April bis 1. Mai in Köln stattfinden wird, will einen Einblick in diese höchst lebendige Szene geben.
Für unsere Aufführungs- und Konzertreihe haben wir Künstler eingeladen, deren stimmliche Ausbildung entscheidende Impulse durch die Arbeit mit Roy Hart Lehrern erfahren hat. Von Performance-Theaterstücken wie der ”Hamletmühle“ des Kölner Ensembles KörperSchafftKlang über eine Stimm- und Tanzperformance ”Voicelines“ von vier Stimmkünstlerinnen und Roy Hart Lehrerinnen, von Konzerten, die zur Neuen Musik zählen, u.a. von Bettina Wenzel, bis hin zu Soloperformances verschiedenster Art , u.a. von den Sängerinnen Nadia Maria Fischer, Anne Hartkamp, dem Stimmperformer Ralf Peters und anderen Mitgliedern des Ensembles KörperSchafftKlang wird an den Abenden des Festivals die Extended Voice in ihren verschiedensten individuellen künst-lerischen Ausprägungen zu hören sein. Für alle, die sich für die Stimme auf der Bühne begeistern, ein echtes Muss!
Darüber hinaus wird es während des Festivals Workshops mit anerkannten Roy Hart Stimmlehrern geben und in einer Konferenz werden wir ab Samstag Abend bis Sonntag Abend in Vorträgen und Diskussionen verschiedene Aspekte der Extended Voice auf der Bühne befragen und diskutieren. Zu Beginn halten Paul und Clara Silber, die Leiter des Archivs der Roy Hart International Art Centers in Südfrankreich den Vortrag ”Roy Hart: his voice in performance“.

E-Mail: kontakt@stimmfeld-verein.de