Ankündigung Festival:
open_voice/2
Roy Hart: Extended Voice heute
(Für mehr Informationen bitte hier klicken.)
26. April - 1. Mai 2012
Orangerie – Theater im Volksgarten
Volksgartenstrasse 25, 50677 Köln
”Dear Mr. Hart,
After having listened to your tape I wish to write to you immediately. Your technique makes possible what a few experimental
composers have been looking for since several years. BRAVO!! (...) Please write me if you are interested in realising a
version of SPIRAL for Solo singer.
My sincere admiration
Yours Stockhausen.“
Karl Heinz Stockhausen schrieb diesen Brief an Roy Hart im Oktober 1968 und im darauf folgenden Jahr traten die beiden gemeinsam
bei den Darmstädter Ferienkursen auf, mit Ausschnitten ”AUS DEN SIEBEN TAGEN“. Auch SPIRAL wurde von Roy Hart
aufgeführt.
In dem oben zitierten Brief drückt Stockhausen eine Reaktion aus, die in ähnlicher Weise auch andere Komponisten zeigten,
nachdem sie Roy Hart gehört hatten. Mit seiner Stimme, die alles übertraf, was bis dahin auf der Bühne zu hören
gewesen war, erregte er das Interesse u.a. von Hans Werner Henze, der für ihn das Stück ”Versuch über Schweine“ schrieb.
Der österreichische Komponist Meinhard Rüdenauer komponierte für Roy Hart die ”Beschreibung einer inneren
Erfahrung“ für Streicher und Stimme. Der englische Komponist Peter Maxwell Davies schrieb mit und für Roy Hart die
Oper ”Eight songs for a Mad King“, einer der Meilensteine für den Einsatz der Extended Voice in der Neuen Musik.
Mit Paul Pörtner erarbeitete Roy Hart im WDR eine Radioversion von ”Es gibt kein Firmament mehr“, einem Libretto,
das ursprünglich Antonin Artaud für Edgar Varèse verfasst hatte. Pörtner schrieb außerdem ein Stück für das
Roy Hart Theatre mit dem Titel ”Ich bin“.
Übrigens hatte Dieter Schnebel schon 1955 erkannt, welche Möglichkeiten sich mit Stimmen wie der von Roy Hart für
die neue Musik ergeben, als er sein ”...missa est“ für ”Wolfsohnsche Stimmen“ schrieb, benannt nach
dem Lehrer von Hart, Alfred Wolfsohn, über den er zufällig im Radio eine Sendung gehört hatte!
Roy Hart war einer der großen Pioniere der Extended Voice Bewegung, die in den 1960er Jahren Einzug in die Neue Musik nahm.
Die Verbindung zwischen Roy Hart und insbesondere der deutschsprachigen Musik-szene der Zeit erfuhr mit dem Tod von Hart 1975 ein
jähes Ende. Zwar kamen in den vergangenen 35 Jahren etliche Mitglieder des Roy Hart Theatres regelmäßig als
Stimmlehrer nach Deutschland, aber ein künstlerischer Austausch fand lange kaum noch statt. Das änderte sich mit der
neuen Generation von Roy Hart Lehrern und Stimmkünstlern, die sich auf Roy Hart berufen. Mittlerweile gibt es in Deutschland
eine ganze Reihe von Künstlern, die mit der Extended Voice arbeiten und nach ihren künstlerischen Sprachen und
Möglichkeiten suchen, die ”ganze“ Stimme auf die Bühne zu bringen.
Unser Festival
”open_voice/2 – Roy Hart: Extended Voice heute“, das vom
26. April bis 1. Mai
in
Köln stattfinden wird, will einen Einblick in diese höchst lebendige Szene geben.
Für unsere Aufführungs- und Konzertreihe haben wir Künstler eingeladen, deren stimmliche Ausbildung entscheidende
Impulse durch die Arbeit mit Roy Hart Lehrern erfahren hat. Von Performance-Theaterstücken wie der
”Hamletmühle“
des Kölner Ensembles
KörperSchafftKlang über eine Stimm- und Tanzperformance
”Voicelines“ von vier Stimmkünstlerinnen und Roy Hart Lehrerinnen, von Konzerten,
die zur Neuen Musik zählen, u.a. von
Bettina Wenzel, bis hin zu Soloperformances verschiedenster Art , u.a. von den
Sängerinnen
Nadia Maria Fischer,
Anne Hartkamp, dem Stimmperformer
Ralf Peters und anderen Mitgliedern des Ensembles
KörperSchafftKlang wird an den Abenden des Festivals die Extended Voice in ihren verschiedensten individuellen
künst-lerischen Ausprägungen zu hören sein. Für alle, die sich für die Stimme auf der Bühne
begeistern, ein echtes Muss!
Darüber hinaus wird es während des Festivals Workshops mit anerkannten Roy Hart Stimmlehrern geben und in einer
Konferenz werden wir ab Samstag Abend bis Sonntag Abend in Vorträgen und Diskussionen verschiedene Aspekte der
Extended Voice auf der Bühne befragen und diskutieren. Zu Beginn halten
Paul und Clara Silber, die Leiter des Archivs
der
Roy Hart International Art Centers in Südfrankreich den Vortrag
”Roy Hart: his voice in performance“.